Es gibt wieder Bauland in Kressbronn

Veröffentlicht am 25.06.2015 in Standpunkte

Gemeinderat gibt grünes Licht für das neue Baugebiet „Spitzgarten“ – Gesamte Bandbreite an Wohnungsangebot

SZ Online 25.06.2015 von Britta Baier

Kressbronn sz Bauland und Mietwohnungen sind nicht erst seit gestern Mangelware in Kressbronn. Für Abhilfe – zumindest eine kleine – sorgt das neue Baugebiet „Spitzgarten“, das der Gemeinderat in seiner Sitzung am Mittwochabend auf den Weg gebracht hat. Einstimmig beschlossen die Räte den Aufstellungsbeschluss des Bebauungsplans. „Die Gemeinde kann wieder Bauland zur Verfügung stellen – nicht viel, aber wenigstens etwas“, kündigte Bürgermeister Daniel Enzensperger an.

Bereits im Vorfeld hatte sich der Gemeinderat nichtöffentlich mit dem Gebiet zwischen Spitzgartenweg, Ottenberghalde und Im Holzwinkel beschäftigt, weil der Kaufvertrag noch nicht unter Dach und Fach gewesen sei, wie der Bürgermeister schilderte. Nun sei der Vertrag notariell beschlossen, allerdings stehe noch die Genehmigung des Landwirtschaftsamtes aus. Durch den Planaufstellungsbeschluss wolle man möglichst früh die Träger der öffentlichen Belange miteinbeziehen, weil das Gebiet nicht ganz unproblematisch sei. Zum einen liegt es direkt an der Lindauerstraße, sodass der Lärmschutz ein großes Thema sei, zum anderen grenze das Gebiet an Intensivlandwirtschaft. „Wir wollen deshalb im Vorfeld Kritik und Einwände ausräumen, um ihnen im September einen ordentlichen Entwurf des Planfeststellungsbeschluss zu präsentieren“, so Enzensperger.

Im südlichen Bereich des Geländes ist ein Mehrfamilienhaus mit etwa 15 Wohneinheiten, nördlich daran – zur Ottenberghalde hin – sind vier Einzelhausplätze vorgesehen. Auf dem Grundstück nebenan – das nicht der Gemeinde gehört – plant der Eigentümer (nach Änderung des Bebauungsplans) drei statt ursprünglich vier Doppelhäuser. „Dadurch kann die gesamte Bandbreite an Wohnungsangebot vom privaten Einzelhaus über Doppelhaus bis hin zur Geschosswohnung zur Vermietung geschaffen werden“, so Enzensperger. Zur Lindauerstraße sollen drei Meter hohe Schutzwälle den Lärm abhalten, außerdem soll durch Parkplätze und Spielbereich das Mehrfamiliengebäude möglichst weit nach hinten rücken. Auch durch die Versetzung des Ortsschildes hoffen die Planer, den Lärm in Grenzen halten zu können – allerdings spräche hier das Landratsamt das letzte Wort, wie Manfred Ammann vom Amt für Gemeindenentwicklung und Bauwesen deutlich machte.

Vier Meter hoher Spritzschutz

Noch schwieriger zu lösen sei das Problem der Intensivlandwirtschaft. Während bei den Einzelhäusern ein ausreichender Abstand weitestgehend für eine Lösung sorgt, ist dies bei dem Grundstück des Mehrfamilienhauses nicht möglich. Hier helfe nur ein vier Meter hoher Spritzschutz – es sei denn, der Eigentümer ließe noch mit sich reden.

Während die übrigen Räte den „Familienwohnraum“ außerordentlich begrüßten, gab es von Martina Knappert-Hiese Kritik: „Ich frage mich, warum ich als Gemeinderätin auch unter Ihrem Vorsitz, Herr Enzensperger, denn keinerlei Einfluss darauf haben sollte, welche Flächen später von Bürgern als Bauland erworben und welche vom Eigenbetrieb Grundstücksverkehr und Wohnungsbau mit Mehrfamilienhäusern bebaut werden würden. Warum sollte mir die Möglichkeit verwehrt werden, im Rahmen von öffentlichen Diskussionen für meine Auffassung werben zu können, dass die Allgemeinheit einen größeren Nutzen von mehreren Reihenhäusern haben könnte, für die Grunderwerbssteuer gezahlt wird, anstatt dass im Eigenbetrieb Mehrfamilienhäuser errichtet werden“.

Immer wieder höre er als Bürgermeister kritische Fragen aus der Bevölkerung, ob kommunaler Wohnungsbau Sinn mache. „Wir machen das nicht, um Geld einzunehmen, sondern um Wohnraum zur Verfügung zu stellen – und das zu günstigeren Preisen als es normalerweise auf dem Mietmarkt üblich ist“, betonte Enzensperger. Doch erstrecke sich das Angebot der Gemeinde über Wohnungen unterschiedlicher Preisklassen und nicht ausschließlich über Sozialbau. Ihn wundere, dass die GUBB-Rätin hier die Position des Eigentümers einnehme.

Er erhielt Unterstützung aus dem Gremium: „Ich finde den kommunalen Wohnungsbau gut, weil dadurch bezahlbarer Wohnungsbau entstehen kann“, sagte Britta Wagner (SPD). Sie regte an, die Häuser Richtung Südwesten auszurichten und den Ortseingang trotz Lärmschutz ansprechend zu gestalten: „Ein Negativbeispiel ist für mich Wasserburg.“ Auch Stefan Fehringer (BWV) äußerte sich positiv: „Es ist wichtig, dass wir mal wieder Familienwohnraum anbieten – auf diese Weise können wir Einfluss auf die Preise nehmen.“

 

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