SPD trauert um Otti Meyer (1924 – 2020)

Veröffentlicht am 08.03.2020 in Nachruf

Mit tiefer Anteilnahme und großer Trauer haben die Mitglieder des Kressbronner SPD-Ortsvereins und des SPD Kreisverbands Bodenseekreis vom Tod ihres ältesten Mitglieds Otti Meyer am 3. März 2020 erfahren. Sie hatte in ihren  politisch aktiven Jahren als „First Lady  des Kreistags“ weit über die engen Parteigrenzen hinaus Anerkennung gefunden. Sie war 1990 mit der Bürgerplakette der Gemeinde Kressbronn a. B. ausgezeichnet und 2015 mit dem goldenen Parteiabzeichen der SPD für 50-jährige Mitgliedschaft geehrt worden. Seit ihrem siebzigsten Geburtstag wurde ihr Lebenswerk alle fünf Jahre in einer öffentlichen Feierstunde ihrer Gemeinde gewürdigt.

 

Mit der Kommunalpolitik kam Otti Meyer durch ihren Ehemann, den Arzt  Dr. Harro Meyer, in Berührung. Dieser hatte nach dem Krieg an der Neugründung des SPD-Ortsvereins mitgewirkt, war seit 1947 für die SPD im Gemeinderat und vertrat lange Jahre, bis zu seinem Tod 1965, den Wahlkreis im Landtag von Baden-Württemberg. Die Mutter von vier Töchtern, die neben dem Haushalt auch in der Arztpraxis mithalf, hatte ihrem Ehemann noch vor seinem frühen Tod versprochen, seine politische Arbeit fortzusetzen. Noch im August 1965 trat sie der SPD bei und wurde im selben Jahr in den Gemeinderat gewählt, 1971 dann in den Kreistag. In beiden Gremien war sie übrigens die erste und längere Zeit auch einzige Frau in den damals noch üblichen „Männergesellschaften“. Sie war somit Wegbereiterin für viele Frauen, die seither in die Kommunalparlamente eingezogen sind.  Beide Gremien verließ sie 1990 nach insgesamt 25 Jahren kommunalpolitischer Tätigkeit.

 

Natürlich hat sie in dieser Zeit an zahllosen wichtigsten Beschlüssen mitgewirkt. Aber zeitlebens war sie besonders stolz auf ihren Anteil an Bau und Einrichtung der LÄNDE-Galerie: Die Kulturgemeinschaft Kressbronn und insbesondere deren Arbeitskreis Kunst um Gerhard Schaugg und Peter Keller sollten ein angemessenes Haus für ihre wichtige Ausstellungstätigkeit bekommen. Sie selbst beteiligte sich bis zum neunzigsten Lebensjahr regelmäßig an der Aufsicht für die Ausstellungen.

 

Im Kreistag engagierte sie sich für das, was man früher „Frauenthemen“ nannte: im Sozialausschuss setzte sie sich besonders für benachteilige Menschen ein, die Kultur war ihr sehr wichtig, ebenso der Denkmalschutz , z.B. als Mitglied im Ausschuss zur Beschaffung von Kunst/Bildern zur Ausstattung des damals neuen Landratsamtes in Friedrichshafen. Otti Meyer fand stets große Anerkennung und Achtung in allen Fraktionen. Auf gemeindlicher Ebene verfolgte sie auch nach ihrem Ausscheiden 1990 das kommunalpolitische Geschehen weiter, so als Mitglied im „Ausschuss sozial erfahrener Personen“. Dem Sozialgericht in Sigmaringen gehörte sie achtzehn Jahre an.

 

Seit 1990 lebte Otti Meyer offiziell im politischen Ruhestand. Ihre Teilnahme am öffentlichen Leben hat sie freilich bis zu Ihrem Lebensende nicht ganz eingestellt. Ob es, neben bereits Genanntem, die Jahreshauptversammlungen der Kulturgemeinschaft waren oder der Neujahrsempfang der Gemeinde Kressbronn: immer noch war sie unter den Teilnehmern, immer noch wurde sie dort besonders herzlich von vielen Seiten begrüßt, und immer noch freute sie sich dort über den einen oder anderen Redebeitrag – oder ärgerte sich auch mal über undifferenzierte und unsoziale Positionen. Aber dann auf ihre Weise, nämlich leise und höflich.

 

Otti Meyer war eine bewundernswerte Frau, mit klarer politischer Haltung und großem Rückhalt in der Bürgerschaft.

 

Die Bürgerinnen und Bürger ihrer Heimatgemeinde Kressbronn a. B., besonders aber die Mitglieder ihres SPD-Ortsvereins und des SPD-Kreisverbandes Bodenseekreis werden ihr ein ehrenhaftes Gedächtnis bewahren.

 

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